Mein Hamburg-Berlin 2012

Wie ich es im letzten Blogartikel bereits angekündigt habe, bin ich nun wirklich wieder mit dem Rad von Hamburg nach Berlin gefahren.
Ich bin dann zuerst mit der S-Bahn durch Hamburg gefahren,

Beim Warten auf die S-Bahn.

auf rund 15 km Stadtverkehr (im Dunkeln) wollte ich dann gerne verzichten. Los ging die Radreise dann in Hamburg-Rothenburgsort. In der einsetzenden Dämmerung gingen die ersten Kilometer durch die wunderschönen Vier- und Marschlande. Wie auf dem Großteil der gesamten Strecke ging es auch hier schon über ruhige Straßen mit sehr wenig Verkehr. Wunderbar! Bald war dann auch die Elbe erreicht, wo dann auch die Sonne über den Horizont kroch.

An der Elbe in Hamburg-Neuengamme.
Sonnenaufgang in Hamburg-Neuengamme.

Ein kurzer „Pflichtstopp“ dann noch am „Altengammer Fährhaus“, dem Startort des offiziellen Hamburg-Berlin.

Am „Altengammer Fährhaus“.

In Geesthacht dann die erste Überquerung der Elbe. Die Kormorane hatten in den Strudeln augenscheinlich gute Fangmöglichkeiten.
Lange ging es dann über die Elbuferstraße weiter. Zwischenzeit gab mir ein Traktor über viele Kilometer Windschatten (Ha, beim offiziellen Rennen wäre das natürlich nicht gegangen!). Einerseits nett dauerhaft 32/33 km/h zu fahren, andererseits war der Krach des Traktors auch ziemlich nervig. Ab Bleckede stellte ich mich dann auf die Bergwertung der Strecke ein. Anders als bei meinen vorherigen Fahrten auf dieser Strecke liess ich den Anstieg in Alt-Garge mit der folgenden Serpentine aus und fuhr direkt an der Elbe entlang. Dort wurde mit auffälligen Schildern vor den allergieauslösenden Eichenprozessionsspinnerraupen gewarnt. Ich habe keine gesehen. Dafür habe ich unterwegs viele Zugvögel in V-Formation in Richtung Süden fliegend, mehrere Grüppchen von Rehen und auch tolle Kuhherden gesehen.
Nun aber hoch zum Kniepenberg, dem „Cima Coppi“ der Tour, mit ungefähr 77 m.ü.M. Bei kurzzeitigen 8-9% Steigung musste ich dann doch auch mal aufs kleine Kettenblatt schalten. Das war aber auf der ganzen Strecke die einzige Stelle, wo das nötig wurde.

Auf dem Gipfel des Kniepenbergs.

Ab Hitzacker waren dann die Wellen überwunden und es ging nur noch flach weiter bis Berlin.
Nach 115 Kilometern hatte ich dann den zweiten „Pflichtpunkt“ erreicht, die Elbbrücke bei Dömitz. Ein beeindruckendes Bauwerk!

Die Elbbrücke Dömitz kommt in Sicht.

Am Verpflegungspunkt des offiziellen Rennens habe ich dann auch eine kurze Pause eingelegt.

Baudenkmal bei der Dömitzer Elbbrücke.

Weiter ging es durch flache, flache Gegenden. Gefühlt konnte man von Dömitz aus bereits Wittenberge am Horizont sehen.

Sonne satt.

Zwischenzeitlich gab es dann noch meine obligatorische Schlechtwegstrecke, wenn auch nur wenige hundert Meter lang.

Ohne Schotter geht einfach nicht!

Bei Cumlosen kam ich an einer Veranstaltung/Übung zur Deichverteidigung vorbei. Das sah ganz interessant aus, aber Zeit dafür hatte ich nicht.

Übung zur Deichverteidigung.

Aber da ich schon stand, habe ich mich noch um 180° gedreht und den alten DDR-Grenzwachturm geknipst. Wie schön, dass der mittlerweile so wunderbar nutzlos ist!

Unnützer Wachturm. Steht zum Verkauf.

Dann kam Wittenberge. 2006 bin ich dort in den Zug gestiegen, mit dem Singlespeeder waren mir damals 140 km genug. Diesmal verschwendete ich keinen Gedanken an den Bahnhof, ich wollte lieber zügig aus dem Ort raus. Raus aufs Land, auf die kleinen, ruhigen Sträßchen. Sinnvollerweise hätte ich vielleicht in Wittenberge noch meine Flaschen auffüllen sollen. Habe ich aber nicht. Mittlerweile war es warm geworden, der Flüssigkeitsbedarf stieg. So musste ich dann in Quitzöbel auf angelesenes Internetwissen zurückgreifen und habe meine Flasche auf dem Friedhof aufgefüllt.
Weiter nach Havelberg, dort wurde ich von Georg erwartet, der mir aus Berlin entgegengefahren ist. Er war Hamburg-Berlin schon eine Woche vorher im Viererteam gefahren.
Leider hatte der Bäcker schon geschlossen, aber im Supermarkt gab es Getränke, ein trockenes Brötchen und etwas Süsskram für mich. Nur kein Kaffee. Schade.

Mit Georg und Salzkruste.

Bis Nauen ging es dann mit nettem Geplauder weiter, für mich etwas schneller als alleine, für Georg deutlich langsamer als wenn er alleine gefahren wäre …
Ich bin mir jetzt nicht so sicher, ob ich’s vielleicht nur übersehen habe. Oder steht in Stölln wirklich kein Flugzeug mehr rum? Die Frage scheint geklärt, ich war wohl abgelenkt: Iljuschin in Stölln

Hinter Nauen begann das Grauen. Naja, nicht ganz so schlimm, aber so langsam verging uns die Lust. Die Dämmerung setzte ein, der Verkehr nahm zu, die Strecke ging durch einen dunklen Wald. Schön ist was anderes. Netterweise zog mich Georg da durch. Als der Wald vorbei war, waren wir dann auch schon in Falkensee und damit im Stadtverkehr, der ab jetzt bis Spandau immer dichter werden sollte. Das ist eigentlich das, was man nach 280 km ziemlich ruhiger Strecke so gar nicht gebrauchen kann.
Weil die Zeit dann doch recht weit vorangeschritten war und der Zug nach Hamburg gewiß nicht auf mich warten würde, hatte ich mich dann entschlossen, nicht noch bis zum Wassersportheim Gatow (dem offiziellen Ziel) an der Havel zu fahren, sondern die ca. 10 km „Umweg“ zu sparen und halbwegs direkt den Bahnhof Spandau anzusteuern. Nach fast genau 12 Stunden trafen wir dann dort ein. Punktlandung!
Ich denke, dass ich auch ohne Georgs Hilfe rechtzeitig in Spandau angekommen wäre, aber das hätte mich mehr Kraft gekostet. Nochmals ein großes Danke, Georg!

Mit Lars und Georg im Bahnhof Spandau.

Im Bahnhof wartet Lars schon auf uns. Er war eine gute Stunde vor mir in Hamburg gestartet, ist dann aber in Friesack bereits in den Zug gestiegen.

Im Bahnhof habe ich mir dann noch schnell etwas zu Essen und zu Trinken für die Zugfahrt gekauft und dann kam auch schon der Zug.

Zufrieden.

Gute 2 Stunden später dann zurück in Hamburg. Irgendwie schneller als mit dem Rad. ;-)

veloheld.icon im Bahnhof Altona.

Ein perfekter Tag! :-)

Allein wegen der letzten 30 km werde ich Hamburg-Berlin wohl nicht mehr fahren, das ist einfach kein schöner Abschluß für solch eine ansonsten tolle Strecke.

Noch ein paar „technische“ Dinge. Ich bin diesmal mit ziemlich minimalistischer Ausstattung gefahren. Am Rad hatte ich eine Bumm Ixon IQ Speed als Frontleuchte mit dem Akku am Oberrohr. An der Sattelstütze hatte ich zwei Rücklichter, eins als Backup. War auch gut, Georg war ohne Licht unterwegs, er bekam das Zweitlicht dann ans Rad.
Verpflegt habe ich mich unterwegs mit folgenden Dingen: 2 1/2 Energieriegel von Seitenbacher, 1 Energieriegel mit Bananengeschmack von Dextroenergen, ein Hanuta, 1 Fitnessbrötchen von netto, 2,5 Liter Wasser.
Im Zug dann noch eine Fanta, 1 dünnes Baguette mit Schinken und Käse und eine Tüte Phantasia.

Meine Kleidung sah so aus: Cap, ärmelloses Unterhemd, Ärmlinge, Kurzarmtrikot, Windjacke, kurze Radhose, Socken, Schuhe, Belgian Booties. Das war genau die richtige Ausstattung. Ab dem Kniepenberg ist die Jacke in die Trikottasche gewandert und noch eine Stunde später wurden die Ärmlinge auf die Handgelenke geschoben. Ich bin als am 20.Oktober stundenlang in kurz/kurz durch die Gegend gefahren! Am Ende dann nochmal die Ärmlinge hochgekrempelt, das war’s.
In den Trikottaschen war das Handy, die Luftpumpe und das Säckchen mit Geld, Papieren, Werkzeug und Ersatzschlauch. Das mache ich, seitdem ich diesen Artikel bei velominati gelesen habe.

Wie immer, hier noch der Track:

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Hamburg-Berlin 2012

Am 13.10.2012 fand mal wieder das Zeitfahren Hamburg-Berlin statt, wie immer organisiert vom Audaxclub Schleswig Holstein.
2005 und 2006 bin ich da auch mitgefahren, 2005 habe ich es mit dem Rad bis Berlin geschafft, 2006 bin ich in Wittenberge in den Zug gestiegen. Obwohl die Strecke sehr sehr flach ist, war ich für 280 km mit dem Singlespeeder damals nicht stark genug.
2012 bin ich morgens (mit dem Auto) raus nach Altengamme zum Start gefahren – ich wollte der Berliner Twitterbekanntschaft Georg mal Guten Morgen sagen. Gerade mal gute 10 Minuten vor seinem Start war ich dann auch endlich vor Ort und wir haben uns dann auch schnell gefunden. Meine neue Cap von Matzmate war da wohl hilfreich.

Georg und ich.

Kurz vor 7 Uhr ging Georg dann mit seinen Leuten, den Berlin-Pankow-Racers, auf die Strecke:

Startaufstellung der Berlin-Pankow-Racers

An diesem Morgen haben sich über 250 Leute auf den Weg nach Berlin gemacht. Ich weiss keine genauen Zahlen, aber zu „meiner“ Zeit war vielleicht die Hälfte davon auf der Strecke.
Oh, zu hoch geschätzt. 2005 waren 85 Leute unterwegs! Hier das PDF mit den Ergebnissen.
Langstreckenradsport hat schon enormen Zulauf.

Gewusel am Start.

Aber auf irgendwas wollte ich doch hinaus – ja! Das Ganze hat mich jetzt wieder so angefixt, dass ich mich kurzerhand entschlossen habe, am nächsten Samstag, 20.10.2012, einfach mein eigenes Hamburg-Berlin zu fahren. Die Wettervorsage ist für den Herbst ausgesprochen gut, ich habe Zeit und bin fit. Also los!
Die Strecke werde ich mir in den nächsten Tagen noch erarbeiten. Noch bin ich mir unsicher, ob ich mir die Fahrt durch Hamburg erspare und mit der S-Bahn bis Rothenburgsort fahre. Von da aus bin ich dann ja schnell in den Vier- und Marschlanden, so dass ich am Altengammer Fährhaus vorbeikomme.
An die Regeln des offiziellen Hamburg-Berlin würde ich mich halten. Die sind auch einfach. Die Elbe wird in Geesthacht von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen überquert und in Dömitz geht’s von Niedersachsen nach Meckenburg-Vorpommern. Die Brücken dürfen auch nur einmal überquert werden. Das wars.
Ob ich in Berlin dann noch zum richtigen Ziel, einem Wassersportheim in Gatow an der Havel, fahre oder direkt zum Bahnhof in Spandau werde ich dann entscheiden. Das kommt natürlich auch auf die Zeit und meinen Zustand an.
Mein Zug fährt jedenfalls gegen 19:30 Uhr zurück nach Hamburg. Den möchte ich dann schon gerne erreichen …

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450 Kilometer durch Schleswig-Holstein Teil 2

So, da war ich jetzt also in Handewitt. Wie ich da hingekommen bin, lässt sich in Teil 1 nachlesen.
Nach einer entspannten Nacht im Etap-Hotel habe ich dort gleich noch gefrühstückt. Das Frühstück ist da zwar nicht ganz so dolle, aber für Kaffee, Marmeladenbrötchen und Joghurt langt’s. Und weil es das Frühstück auch „erst“ ab 7:30 Uhr gibt, konnte ich auch ausschlafen (im Vergleich zum Vortag!).
Für diesen Tag hatte ich einen Track vom gut 190 km Länge auf dem GPS-Gerät, ich bin aber schon mit dem Gedanken losgefahren, dass ich vielleicht nicht die ganze Strecke mit dem Rad zurücklegen würde.
Kurz nach 8 Uhr ging’s dann wieder raus auf die Straße, die ersten 10 km auf demselben Weg, den ich am Vorabend gekommen war. Die Straßen waren sehr leer, an einem Sonntagmorgen ist da oben fast gar nichts mehr los …
Schön war das Stück durch den Wald zwischen Eggebek und Sollerup. Traumhaft! Hier ein Bild aus dem Wald:

Im Wald (Das Bild kommt von Panoramio)

Weiter ging es und bei einer kleinen Pause bei Meggerdorf nach 60 km beschloß ich, dass ich langsam vom Track abweiche und mich in Richtung Bahnhof Rendsburg orientiere. Weil ich aber dennoch mindestens 100 km gefahren sein wollte, habe ich einige Schlenker eingebaut. Da habe ich dann ein paar der wenigen Bilder des Tages gemacht.

Heute schon sehen können, wer morgen zu Besuch kommt …

Idylle mit Kühen an der Eider.

Idylle mit Bart an der Eider.

Kurze Zeit später war ich dann auch am Nord-Ostsee-Kanal, wo die große Finnsky an mir vorüberzog.

Finnsky and I.

Bald war dann auch Rendsburg und seine schöne Eisenbahnhochbrücke in Sichtweite.

Die Rendsburger Hochbrücke.

Nach etwas Rumgekurve in der Stadt hatte ich dann auch 110 km auf dem Tacho und so konnte ich zum Bahnhof fahren. Dort stellte ich fest, dass der nächste Zug in meine Richtung erst in über 90 Minuten abfahren würde. Also entschloss ich mich nach einer kurzen Stärkung und dem Auffüllen der Wasserflaschen zur Weiterfahrt mit dem Rad bis nach Neumünster.
Den Nord-Ostsee-Kanal überquerte ich mit der Fähre nach Schacht-Audorf. Inzwischen hatte es auch die Finnsky bis hierhin geschafft.

Da war sie nochmal, die Finnsky.

Die weitere Fahrt war dann von der Navigation etwas konfus, mein GPS schlug mir dann Strecken von 70-90 km vor – ich war mir sicher, dass es nicht mehr als 40 km sein müssten. Mit der Fahrt nach Kompass und Wegweisern kam ich dann auch viel direkter nach Neumünster.
153 km sind’s damit an diesem Tag dennoch geworden, ist doch auch ganz stattlich. Schön war, dass ich aber mehr aus Zeitgründen in die Bahn gestiegen bin, körperlich und geistig hätte ich auch noch mit dem Rad nach Hause fahren können. Aber zu Hause wartete mittlerweile auch wieder die Familie, da wollte ich dann auch gerne schnell hin. :-)
Ich musste nur noch einige Minuten auf die Abfahrt der AKN nach Hause warten. In der Zeit wurde ich noch von einem anderen Radler angeschnackt, der wegen meiner Klamotten neugierig war (und mich wohl für einen Fahrradkurier hielt). Ich bin nicht so ganz sicher, ob er die Dimension meiner Wochenendtour richtig begriffen hatte – er sagte von sich, dass er aus Angst vor Reifenpannen nur Touren von 30-40 km führe …
Im Zug dann noch ein letztes Bild – so fühlte ich mich auch!

I AM A veloheld

Hier noch der Track:

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450 Kilometer durch Schleswig-Holstein Teil 1

Dass ich am Wochenende 15./16. September etwas länger als gewöhnlich auf dem Rad sitzen würde, war schon einige Zeit vorher klar. So wie es dann am Ende wirklich geworden ist, klärte sich erst 2 Tage vorher. Ganz ursprünglich war mal der „Waseptemberg“ angedacht. Aus diversen Tweets hatte sich ergeben, dass sich einige Leute in Hamburg treffen wollten, um „gemeinsam“ den Waseberg zu fahren. Die ganze Sache kam nicht so richtig in die Gänge und es ergab sich die nächste Idee, eine Sternfahrt in den Harz. Es kam, wie es kommen musste, auch diese Idee blieb eine Idee. Aber es wäre ja gelacht, wenn sich nicht weitere Ideen finden liessen. Also wurde drüber nachgedacht, ob nicht Münsterländer und Hamburger aufeinander zurasen und dann gemeinsam ins Steinhuder Meer springen. Oder so ähnlich. Man kann sich vorstellen, dass der Plan auch verworfen wurde. Kommen wir also schlussendlich zu der Tour, die ich am Ende wirklich gefahren bin. 2 Tage Schleswig-Holstein in all seinen schönen Ausprägungen. Mit Moränen, Marsch, Meer und Seen.
Am Vorabend bin ich doch etwas angespannt, was mich in den kommenden 2 Tagen erwarten wird.

Anspannung am Vorabend.

Immerhin bin ich erst einmal im Leben eine Strecke von knapp 300 km geradelt. Das liegt auch schon 7 Jahre zurück, im Rahmen des Zeitfahren von Hamburg nach Berlin, das immer Mitte Oktober stattfindet.
Die Familie war schon seit Freitag aus dem Haus, so konnte ich problemlos am Samstag um 3:45 Uhr den Wecker klingeln lassen. Ich wollte sehr früh los, den ich hatte mir um die 300 km für diesen Tag vorgenommen. Nach 2 Cappucino und einem Glas Instant-Haferflocken mit Zucker und Sahne und einem schnellen Tweet


ging’s dann um 4:44 Uhr auf die Straße.

Auf geht’s!

Da war’s noch ziemlich dunkel und leer. Sehr gut! Wenig überraschend kannte ich die Strecke der ersten 30-40 Kilometer recht gut, so dass auch die Dunkelheit keine Orientierungsprobleme aufwarf. So kam ich gut voran, die ersten 50 km waren nach 2 Stunden geschafft. Das ist jetzt kein wahnsinnig hoher Schnitt, aber im Wissen um die noch zu fahrenden Kilometer und mit dem recht schweren Rad und Gepäck (das dürften so um die 22/23 kg gewesen sein) gar nicht mal so verkehrt.


Kurze Pause in Struvenborn.

Kurze Pause in Struvenborn.

Weiter ging es nun mit Tageslicht durch das immer welliger werdende Holstein.
Am Horizont erkennt man die Hügel.

Wenn der Bus länger auf sich warten lässt, hat man’s hier zumindest bequem.

Ziel war der Bungsberg, mit 168 m die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins. Das habe ich vor über 30 Jahren im Heimt- und Sachkundeunterricht gelernt, aber ich kann mich nicht erinnern, jemals den „Berg“ gesehen zu haben. Jetzt weiss ich, dass es auch daran gelegen haben kann, dass der Bungsberg aussieht wie jeder andere der Hügel dort in der Ecke …
Nächste Station war dann Malente, wo ich mich bei einem Supermarktbäcker mit Kaffee und Kuchen versorgte.


Wie ich etwas später feststellte, hatte ich da ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft:


Es ging dann ein gutes Stück weit in Richtung Westen, ich wollte auf jeden Fall Kiel umfahren. Erst hinter dem Westensee bog ich dann ab in Richtung Nord. In Sehestedt ging es mit der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal, eine willkommene kurze Pause, die ich für das Verspeisen einer leckeren Vollkornschnitte nutzte.
Bei Eckernförde bekam ich dann kurz die Ostsee zu sehen. Dieser Blick und die bald darauf erfolgte Fährquerung der Schlei in Missunde waren leider die einzigen „Kontakte“ mit der Ostsee. Die Nordsee habe ich gar nicht zu Gesicht bekommen.
Damit war ich dann in Angeln angekommen. Eine wunderschöne Gegend in der ich auch schon mit der Familie mehrere Kurzurlaube verbracht habe. Deshalb war mir die Route über Tolk und Böklund doch vertraut. Falls ich als Rentner nicht in Digermulen lande, könnte ich mir auch das Leben in Angeln gut vorstellen …
Der „Endspurt“ brachte mich dann nach 14 1/2 Stunden bis nach Handewitt ins Etap-Hotel beim Scandinavia-Park. Das Rad konnte ich sicher unterstellen, netterweise fragte die Rezeptionistin von sich aus danach, ob ich das denn wünsche. Ich war erschöpft, aber der Gang zu Burger King nebenan war noch möglich.

Sonnenuntergang vom Hotelzimmer aus gesehen.

Ich war zufrieden, denn ich hatte die Strecke ohne ernsthafte Probleme geschafft. Keine Panne, keine psychischer oder physischer Einbruch, auch das Wetter war ok.
Manchmal musste auch die Regenjacke sein. Die Schauer waren aber nur kurz.

Randonnieren at its best!
Aber ich hatte das östliche Schleswig-Holstein unterschätzt.


Da ich mir aber selber vorher ein Zeitfenster von ca. 15 Stunden gegeben hatte, blieb es ja dennoch alles im Rahmen.
Am nächsten Tag sollte es dann wieder in den Süden gehen. Darüber schreibe ich einen eigenen Bericht.

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Das gebe ich nicht mehr her!

So, am 09. Mai 2012 war jetzt also der lang ersehnte Tag. Liefertermin für den simpel optimist randonneur!
Nach kurzen Abstimmungsschwierigkeiten – die neue Firmenadresse ist noch nicht jedem Navi bekannt – fuhr der Lieferwagen am Nachmittag vor. Den Umkarton haben die Lieferanten gleich mitgenommen und ich konnte das Rad bequem in den Firmen-Fahrradkeller schieben wo ich es von den Plastikschutzfolien befreite, in Augenschein nahm und eine erste kurze Runde durch die Tiefgarage drehte.

Hier mal ein paar Stichworte, was mir so aufgefallen ist (Stand Mai 2012):

  • Perfekt geliefert
  • Bequem
  • Schalten im Unterlenker eher schlecht
  • Gewöhnung ans Schalten wird etwas dauern
  • STI ziemlich schmal
  • Rahmenhöhe prima, dürfte wegen der Überstandshöhe nicht größer sein
  • Riemen unauffällig im Vergleich zur Kette
  • LEISE!
  • Schöne Zuverlegung
  • Multitool mit allen Werkzeugen dabei
  • Keine Schnellspanner, sicherer

Mittlerweile sind 4 Monate vergangen, ich habe das Rad bereits über 3000 km bewegt. Vorwiegend im Stadtverkehr, aber es war auch eine große Runde durch Schleswig-Holstein mit ca. 450 km an 2 Tagen dabei.
Grundsätzlich bleibe ich dabei, es ist ein tolles Rad. Aber es haben sich auch Schwachpunkte gezeigt.
Die Alfine 11-Schaltungsnabe nervt mit ihren Geräuschen. In den meisten Gängen gibt es unregelmässige Knack- und Knirschgeräusche. Es sind also keine dauerhaft mahlenden Geräusche, nicht so etwas wie die „Melodie“ der Nabe sondern deutlich störende Geräusche. Auch der nach 1000 km fällige Ölwechsel hat daran leider nichts geändert.
Das hintere Schutzblech sitzt sehr nah am Reifen. Das führt auf Wegen, bei denen der Reifen viel Material mitreisst, zu Schleifgeräuschen. Auf der Innenseite verläuft auch die Kabelführung für das Rücklichtkabel. Mehrere der Befestigungen aus Plastik sind so schon abgeschliffen worden. Da diese angenietet sind, weiss ich noch nicht, wie ich die mal sinnvoll ersetzt bekomme. Aber noch hält das Kabel problemlos.
Dem vorderen Schutzblech habe ich noch am unteren Ende einen längeren Spritzschutz verpasst.

Zur Sicherheit habe ich die Sattelstütze einmal komplett aus dem Rahmen gezogen. Gut so, denn leider wurde die Stütze ab Werk wohl fettfrei montiert. Wie ich leider bei einem anderen Rahmen erleben durfte, kann eine Alustütze in einem Stahlrahmen ganz fürchterlich oxidieren, so dass sie sich nie wieder bewegen lässt. Nun denn, schnell selber gefettet und jetzt ist das auch alles gut.

Die Scheibenbremsen. Eigentlich eine tolle Sache. Nur die Geräusche! (Merkt man, dass ich mir ein leises Rad wünsche?!) Ich habe jetzt eine Weile verschiedene Dinge probiert. Ausrichtung des Bremssattels und der Bremsbeläge, organische Bremsbeläge – alles irgendwie nicht erfolgreich. Wenn es auch mal leiser wurde, dann kam unangenehmen Bremsrubbeln hinzu. Die letzte Variante, die halbwegs erfolgreich ist (meine Ansprüche sinken …): Ich habe die gesinterten Bremsbeläge an den Kanten mit einer Feile bearbeitet. Dadurch ist das Bremsgeräusch nahezu verschwunden. Mal schauen, wie das in einigen Tagen und bei Nässe aussieht (besser: sich anhört).

Scheibenbremse am Hinterrad

Toll finde ich, dass der Marathon Supreme-Reifen die 3000 km (Für einige Minuten stand hier was von 30000 km – ganz so weit bin ich dann doch noch nicht unterwegs gewesen. Danke für den Hinweis, Dagmar! pannenfrei absolviert hat!

Den Gabelschaft habe ich noch um einen Zentimeter gekürzt, so passt das für mich perfekt.
Zudem habe ich dort eine kleine, aber feine Klingel montiert.

Die Klingel am Gabelschaft

Die Lichtanlage, bestehend aus SON28-Nabendynamo, Edelux-Scheinwerfer und Toplight Mini-Rücklicht funktioniert hervorragend.

SON28-Nabendynamo

Was ich schade finde ist, dass simpel auf der Webseite anpreist, dass die Rahmennummer gleichzeitig eine Emailadresse ist, die auf eine Wunschadresse des Besitzers umgeleitet wird. Aus „technischen Gründen“ wird das derzeit aber gar nicht umgesetzt. :-(

Rahmennummer als Emailadresse

Mein bisheriges Fazit: Das Rad hat Detailschwächen, aber nichts, was sich nicht irgendwie aus der Welt schaffen liesse. Ich mag das Rad sehr gerne und hoffe, dass es mich noch sehr lange begleiten wird!

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„Dunkelheit macht schnell“-Tour

Vormittags kam ich nicht in die Gänge und nachmittags war ich familiär eingespannt. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig als mich in der Dämmerung auf den Weg zu machen. Gar nicht aufs Rad war diesmal keine Option, ich wollte unbedingt die 1000 km im April komplett machen. Gut, der April hat noch 2 weitere Tage, aber ich wollte ganz sicher sein, dass ich das Ziel erreiche …
Als die Kinder dann im Bett waren, ging’s raus. Ich wollte nicht ewig unterwegs sein, 39 km fehlten noch für die 1000 km, also war meine Wulfsmühlenrunde mit 42 km genau richtig.
Es dämmerte bereits, auch deshalb gab ich Gas. Die Strecke fahre ich mittlerweile fast im Schlaf, das ist bei der einsetzenden Dunkelheit bestimmt ein Vorteil gewesen. Denn trotz meiner guten Beleuchtung gibt es auch auf bekannter Strecke immer noch genügend Überraschungen im Dunkeln.

Mit Blitz ist's hell

Diesmal blieb ich glücklicherweise von größeren (unschönen) Überraschungen verschont, wäre es kein Nightride, hätte ich über diese Runde wohl nichts geschrieben. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, kam mir an der Wulfsmühle sogar noch ein anderer Rennradfahrer entgegen. Ich war wohl nicht der Einzige, der den halbwegs milden Abend mit 12°C genutzt hat. Ist das eigentlich normal, dass man bei entgegenkommenden LED-Lampen unterhalb der Lampe einen blauen Schimmer sieht? Oder ist das ein Problem meiner Augen?
Auffällig war noch, dass ich ziemlich zügig (für meine Verhältnisse) unterwegs war. Einen guten 28er-Schnitt hatte ich schon länger nicht mehr auf dem Tacho. Das lag bestimmt an meiner recht guten Form, das Wintertraining zahlt sich doch aus, aber auch an den bisher besten Bedingungen in diesem Jahr. Und nicht zuletzt auch an der Dunkelheit. Es war jetzt keine Angst, die mich getrieben hat, aber es ist doch schon etwas anderes in der Nacht auf komplett unbeleuchteten Straßen zu fahren.
Links Lampe, rechts Fahrradcomputer, Rest Nacht.

Wenn ich irgendwann dann aber doch mal richtige Langstrecken fahren will, dann werde ich mich auch eingehender mit den Nachtfahrten beschäftigen müssen, ohne geht’s kaum. Aber mein größtes Hobby wird’s nicht …

Ich sehe seltsam aus. Der Blitz ist schuld. Oder so.

Hier noch der Track:

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it’s all about …

Seit geraumer Zeit mit einem schönen Trailer angekündigt, kommt der Film „it’s all about …“ demnächst in (wenige) Kinos. Am 21.05.2012 gibt es jeweils eine Vorführung in Berlin, Potsdam, Bochum, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Hürth und München.
Ultra-Cycling, Mini-Aufführungen. Naja, ist wohl für die breite Masse kein sooo interessantes Thema. Leider.
Aber ich denke dennoch, dass ich mit ein paar Radlern aus Hamburg und Umgebung einen netten Kinoabend verbringen werde. :-)

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Nach der Challenge ist vor der Challenge

Noch ist die Zeit nicht ganz abgelaufen, aber das primäre Ziel der Ride Hard To Breathe Easy-Challenge habe ich bereits am vergangenen Wochenende erreicht: Im April 800 Kilometer Rad fahren.

Logo ©Strava

Jetzt bleibt mir also noch eine weitere Woche um das Ganze aufzurunden. Ob am Ende sogar etwas Vierstelliges drin ist? Die Wettervorhersage spricht aber eher dagegen.
Von sportlichen Überlegungen abgesehen, werde ich mal schauen, ob ich das dahinter stehende Projekt auch mit einer Spende unterstützen kann.
Im Mai geht’s dann gleich nahtlos weiter, diesmal soll man 2x die Kilometer der Tour Of California fahren.
Logo ©Strava

Dafür hat man den gesamten Mai Zeit. Das sind 2380 Kilometer, rechnerisch also 77 Kilometer pro Tag. Ich denke, diese Challenge werde ich nicht erfolgreich beenden. Aber wie immer: Ich sehe zu, dass ich so weit wie möglich komme.
Ach, zum Vergleich: Die Profis fahren die 1190 Kilometer in 8 Etappen, also durchschnittlich 149 Kilometer pro Tag …

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